Meine Geschichte durch die Perimenopause: 16 Kilo, Jahre ohne Erklärung — und eine Antwort, die es die ganze Zeit schon gab.
Ich war mein Leben lang schlank. Nicht dünn – normalgewichtig. Und wenn mich zwei Kilo störten, machte ich irgendeine Diät, und sie waren weg. So einfach war das. Jahrzehntelang.
Dann wurde ich 40.
Mit Anfang 40 merkte ich, dass meine Jeans eng wurde. Nicht dieses „Ich habe am Wochenende zu viel gegessen“-eng. Sondern: „Die passt mir nicht mehr“-eng.
Ich brauchte eine Größe größer. Ich dachte, das gehe vorbei. Kurze Zeit später brauchte ich die nächste. Und dann noch eine. Ich hatte nichts verändert. Gleiche Ernährung, gleicher Lebensstil, gleiche Frau. Nur eben 16 Kilo mehr.
Ich erzähle diese Geschichte nicht besonders gern. Sie zeigt mich in Jahren, in denen ich mich selbst nicht leiden konnte, und sie steckt voller Dinge, die ich rückblickend falsch gemacht habe.
Ich erzähle sie trotzdem. Weil ich damals nichts dringender gebraucht hätte als den Beweis, dass ich kein Sonderfall bin. Diesen Text hätte ich vor zehn Jahren gebraucht – also schreibe ich ihn jetzt. Für die Frau, die gerade genau da steht, wo ich stand.
Ich begann, Spiegel zu meiden
Ich trug nur noch Weites. Und Schwarz, weil Schwarz ja angeblich schlank macht. Ich fürchtete jede Veranstaltung, für die ich mich schick machen musste.
Fotos von mir mochte ich noch nie besonders. Jetzt hasste ich sie. Wenn ich heute zurückblicke, gibt es aus diesen Jahren nur eine Handvoll Bilder von mir – ich war fast immer die, die fotografiert hat. Das war kein Zufall. Hinter der Kamera kam ich nicht drauf.
Irgendwann ging ich zu meiner Ärztin. Ich stellte mich auf die Waage und hätte fast geweint. Sie sah in meine Akte, schaute auf mein Alter und sagte den Satz, den ich danach noch hundertmal hören sollte:
„Das ist halt so in Ihrem Alter. Damit müssen Sie sich abfinden. Ihr Stoffwechsel wird langsamer, das passiert uns allen.“
Ich habe ihr geglaubt. Jahrelang. Und 16 Kilo lang.
Also strengte ich mich mehr an
Das ist ja das, was man tut. Man macht mehr von dem, was schon nicht funktioniert.
Ich strich Kohlenhydrate – und nahm zu. Ich verzichtete auf Zucker – und nahm zu. Ich probierte Intervallfasten – und nahm zu. Ich joggte mehr, trainierte viermal die Woche – und nahm zu.
Jeder Montag begann mit einem neuen Plan. Jeder Freitag endete mit einer neuen Enttäuschung. Mit jedem Monat wurde meine Kleidung enger und meine Hoffnung kleiner.
Der ärztliche Rat blieb: weniger essen, mehr bewegen. Danke. Revolutionär. Darauf wäre ich nie gekommen.
Ich aß sehr wenig und trainierte viermal pro Woche. Ich machte alles „richtig“. Und nahm weiter zu.
Weißt du, was das mit einem Menschen macht? Wenn du wirklich alles gibst und dein Körper nicht reagiert. Wenn du ständig hungrig und ständig erschöpft bist – und die Zahl auf der Waage trotzdem steigt.
Ich begann zu glauben, dass mit mir etwas ernsthaft nicht stimmt.
„Alles normal. Für Ihr Alter."
Die Schilddrüse? Normal. Der Blutzucker? Normal. Die Hormone? Ein bisschen aus dem Gleichgewicht, aber normal für Ihr Alter.
Immer dieser Zusatz. Für Ihr Alter.
Ich konnte diesen Satz irgendwann nicht mehr hören. Er beendete jedes Gespräch, bevor es angefangen hatte. Er machte aus einer biologischen Frage ein Schicksal.
Und ein Wort fiel in all diesen Jahren kein einziges Mal: Wechseljahre. Auch nicht Perimenopause, auch nicht Hormonumstellung. Immer nur „in Ihrem Alter“ – als wäre das Alter selbst die Erklärung. Dabei ist Alter keine Erklärung. Es ist ein Zeitpunkt.
Und dann gab ich auf. Nicht dramatisch. Ganz still.
Ich hörte auf, mich zu wiegen. Ich hörte auf, neue Diäten anzufangen. Ich begann zu akzeptieren, dass das jetzt mein Körper war. Dass die Frau, die ich einmal war, weg ist – und dass diese schwerere, müde, aufgedunsene Version die bleibt.
Mein Freund sagte, es sei ihm egal. „Ich liebe dich, ganz gleich, welche Kleidergröße du trägst.“ Lieb gemeint. Aber mir war es nicht egal.
Ich vermisste meinen Körper. Ich vermisste meine Energie. Ich vermisste es, mich selbst wiederzuerkennen.
Der Abend, an dem ich aufhörte zu scrollen
Und dann kam dieser eine Abend.
23 Uhr, mal wieder irgendein Internetforum. Du kennst das: Du ärgerst dich, dass du schon wieder am Handy hängst, und hörst trotzdem nicht auf. Da schrieb eine Frau ungefähr in meinem Alter, dass sie ohne erkennbaren Grund massiv zugenommen hatte. Anfang 40. Alles versucht. Und vom Arzt gehört, das sei eben die Perimenopause, damit müsse sie leben.
Ich weiß nicht mehr, wie sie hieß oder in welchem Forum das war. Ich weiß nur noch, was in dem Moment mit mir passiert ist:
Ich bin nicht die Einzige.
Klingt banal. War es nicht. Jahrelang hatte ich geglaubt, ich sei der Sonderfall — die Frau, bei der der Körper einfach nicht mitmacht, weil sie sich nicht genug anstrengt. Und plötzlich las ich meine eigene Geschichte, geschrieben von jemand anderem.
Und dann stand da dieses Wort: Perimenopause.
Ich hatte es noch nie gehört. Nicht von meiner Ärztin, nicht von der Gynäkologin, nicht in irgendeiner der Untersuchungen, die ich über Jahre hinter mich gebracht hatte. Niemand hatte mir gesagt, dass es für das, was mit mir passierte, einen Namen gibt. Eine Lebensphase, die im Schnitt sieben bis zehn Jahre dauert und lange vor der letzten Regelblutung beginnt. Mit hormonellen Veränderungen, die messbar sind. Und mit Auswirkungen auf Gewicht, Schlaf, Stimmung und Konzentration, die seit Jahrzehnten erforscht werden.
Ich war inzwischen Mitte 40 und damit seit Jahren mittendrin. Angefangen hatte es mit Anfang 40. Und ich wusste nicht einmal, dass es das überhaupt gibt.
Das war der eigentliche Schock. Nicht das Wort selbst, sondern was dahinter steckte: Es gab die ganze Zeit eine Erklärung. Sie ist mir nur nie angeboten worden.
Ein Zustand ohne Namen ist Pech. Ein Zustand mit Namen ist ein Thema, über das man etwas herausfinden kann. Also fing ich an herauszufinden.
Was ich dann getan habe
Ich habe angefangen zu lesen. Und dann monatelang nicht mehr aufgehört.
Perimenopause. Wechseljahre. Nervensystem. Cortisol. Insulinsensitivität. Muskelmasse.
Auf Deutsch fand ich fast nichts. Ein paar Broschüren über Hitzewallungen, viel Werbung, wenig Substanz. Also bin ich ausgewichen – in den amerikanischen Sprachraum. Amerikanische Fachseiten, amerikanische Podcasts, amerikanische Foren und Communities, in denen Frauen sich seit Jahren über genau das austauschten, wofür ich hier nicht einmal ein Wort bekommen hatte. Dort war man schlicht weiter. Nicht ein bisschen – Jahre.
Ich habe recherchiert, gelesen, verglichen. Ich habe mich zur Ernährungsberaterin ausbilden lassen und eine Yogalehrer-Ausbildung gemacht, weil ich es nicht mehr bei Halbwissen belassen wollte.
Der entscheidende Satz kam nicht aus einem Forum. Er kam aus dieser Recherche, und er lautete: Es sind nicht nur die Hormone. Es ist auch das Nervensystem.
Chronischer Stress – die Sorte Stress, die wir gar nicht mehr als Stress wahrnehmen, weil sie für uns einfach zum Leben gehört – versetzt den Körper in einen Überlebensmodus. Und ein Körper im Überlebensmodus hält an Fett fest. Er speichert. Er gibt nicht her.
Zum ersten Mal seit Jahren ergab etwas Sinn. Nicht „Du machst zu wenig.“ Sondern: „Dein Körper macht genau das, wozu er gerade programmiert ist.“
Und noch etwas habe ich verstanden: Die Rechnung „weniger essen, mehr bewegen“ geht in dieser Lebensphase nicht auf, weil sie drei Dinge ignoriert.
Erstens: In der Perimenopause fällt Progesteron früh ab, Östradiol schwankt, die Insulinsensitivität sinkt. Das ist keine Charakterfrage. Das ist Biologie.
Zweitens: Wenig essen plus viel trainieren plus schlecht schlafen ist für den Körper kein Abnehmprogramm. Es ist ein zusätzlicher Stressor. Und ein Körper, der ohnehin schon im Alarmmodus läuft, reagiert darauf nicht mit Loslassen, sondern mit Festhalten.
Drittens: der Schlaf. In keinem einzigen Gespräch, das ich damals über mein Gewicht geführt habe, kam er vor. Kein einziges Mal. Dabei entscheidet Schlaf mit darüber, wie hungrig du am nächsten Tag bist, wie dein Blutzucker reagiert und wie viel Cortisol dein Körper ausschüttet. Und in der Perimenopause wird der Schlaf ausgerechnet dann schlechter, wenn Progesteron abfällt – das Hormon, das dein Gehirn beruhigt. Ich habe jahrelang schlecht geschlafen und das für ein separates Problem gehalten. Es war Teil desselben Problems. Als ich beim Schlaf ansetzte, veränderte sich mehr als bei jeder Diät davor.
Aus allem, was ich gefunden hatte, baute ich mir ein eigenes Konzept zusammen. Nicht, weil ich mich für schlauer hielt als meine Ärztin – mir hat nur niemand etwas angeboten, das funktioniert hätte.
Drei Dinge waren neu daran: Ich habe die hormonellen Veränderungen der Wechseljahre eingerechnet statt sie zu ignorieren. Ich habe mein Nervensystem behandelt wie einen Faktor, der über den Erfolg entscheidet – nicht wie Wellness-Beiwerk. Und ich habe den Schlaf zur Grundlage gemacht statt zur Nebensache.
Und dann hat es funktioniert
Kurz vor meinem 50. Geburtstag war ich wieder normalgewichtig.
Ohne Sport. Ich habe meine Ernährung angepasst und mein Nervensystem beruhigt. Mehr war es nicht – und gleichzeitig war es sehr viel mehr, als jede Diät je von mir verlangt hatte.
Und genau an dieser Stelle würde ich heute etwas anders machen.
Ich habe den Sport damals bewusst weggelassen, weil Training für meinen Körper zu dem Zeitpunkt ein weiterer Stressor gewesen wäre. Das war richtig. Falsch war, ihn nicht wieder dazuzunehmen, als mein System stabil war. Es hat auch ohne funktioniert – aber mit Krafttraining wäre ich schneller, stabiler und mit mehr Muskelmasse angekommen. Muskulatur verbessert die Insulinsensitivität, entlastet den Stoffwechsel und macht dich unabhängiger von jedem Ernährungsdetail.
Reihenfolge statt Entweder-oder: erst das Nervensystem, dann die Kraft. Nicht beides gleichzeitig, wenn du schon am Anschlag läufst.
Ich halte das Gewicht bis heute, plus minus ein paar Kilo. Und wenn es mehr wird, weiß ich inzwischen, woran es liegt und was zu tun ist. Keine neue Diät. Kein neuer Montag.
Und nein, es ist nicht perfekt. Es ist ein lebenslanger Prozess. Man fällt schnell zurück in den alten Modus – nicht beim Gewicht, sondern beim Stress. Das merke ich zuerst am Schlaf, dann an der Unruhe, dann an allem anderen.
Warum 2026 mein Jahr des Muskelaufbaus wird
Ich habe beim Abnehmen keine Muskeln verloren – das war schon mal viel wert. Aber ich habe immer noch zu wenige, um gesund alt zu werden.
Bei Muskeln geht es längst nicht ums Aussehen. Muskulatur ist ein endokrines Organ: Sie produziert Botenstoffe, verbessert die Insulinsensitivität, schützt die Knochen und hält den Stoffwechsel in Gang. Mit jedem Verlust an Muskelmasse steigt das Risiko, in den nächsten Jahrzehnten abhängig und krank zu sein.
Mein Ziel für 2026 heißt deshalb Krafttraining und Muskelaufbau.
Wenn ich aus diesen Jahren eine Sache mitgenommen habe, dann diese: „Das ist halt so in Ihrem Alter“ ist keine Diagnose. Es ist das Ende eines Gesprächs, das nie geführt wurde.
Dein Körper arbeitet mit dir, nicht gegen dich. Die Frage ist nur, ob du zuhörst.
Und genau an dieser Stelle würde ich heute etwas anders machen.
Ich habe den Sport damals bewusst weggelassen, weil Training für meinen Körper zu dem Zeitpunkt ein weiterer Stressor gewesen wäre. Das war richtig. Falsch war, ihn nicht wieder dazuzunehmen, als mein System stabil war. Es hat auch ohne funktioniert – aber mit Krafttraining wäre ich schneller, stabiler und mit mehr Muskelmasse angekommen. Muskulatur verbessert die Insulinsensitivität, entlastet den Stoffwechsel und macht dich unabhängiger von jedem Ernährungsdetail.
Reihenfolge statt Entweder-oder: erst das Nervensystem, dann die Kraft. Nicht beides gleichzeitig, wenn du schon am Anschlag läufst.
Ich halte das Gewicht bis heute, plus minus ein paar Kilo. Und wenn es mehr wird, weiß ich inzwischen, woran es liegt und was zu tun ist. Keine neue Diät. Kein neuer Montag.
Und nein, es ist nicht perfekt. Es ist ein lebenslanger Prozess. Man fällt schnell zurück in den alten Modus – nicht beim Gewicht, sondern beim Stress. Das merke ich zuerst am Schlaf, dann an der Unruhe, dann an allem anderen.
Warum es meine Wechseljahre Community gibt
Der Abend im Forum hat mich nicht schlauer gemacht. Er hat nur aufgehört, mich zum Sonderfall zu erklären. Die Antworten musste ich mir danach über Monate selbst zusammensuchen – allein, nachts, in englischen Fachtexten, weil mir hier niemand sagen konnte, was in meinem Körper eigentlich passiert.
Genau deshalb gibt es die Wechseljahre Community.
Weil es beides braucht. Frauen, die dasselbe erleben und denen du nichts erklären musst – dieses „Ich bin nicht die Einzige“, das bei mir alles ins Rollen gebracht hat. Und die Einordnung dazu, die über „bei mir hat XY geholfen“ hinausgeht. Denn was bei einer anderen funktioniert hat, ist noch keine Erklärung dafür, was bei dir gerade abläuft.
Ich hätte damals viel dafür gegeben, beides an einem Ort zu haben. Statt mich um 23 Uhr allein durchs Internet zu wühlen.
Die Community ist kostenlos. [Hier geht’s zur Wechseljahre Community →]


